„There′s a lady who’s sure all that glitters is gold
and she′s buying a stairway to heaven“
„Es gibt eine Lady, die glaubt, alles, was glitzert, ist Gold
und sie kauft eine Treppe zum Himmel.“
Es war in den 70’ern als wir Schulfreunde die Musik, die unsere Eltern ablehnten, entdeckten. Ein Lied, das uns nicht mehr losließ — war Stairway to Heaven von Led Zeppelin. Jedes Mal, wenn die Zeile „she is buying a stairway to heaven“ erklang, rührte es unser Herz an. Wir verstanden zwar nicht den ganzen Text, aber wir spürten, es musste viel mehr da sein als wir sehen können. Etwas, was wir uns auch unbestimmt wünschten.
Damals, in der Pubertät, war unsere Vorstellung von „Himmel“ pubertätsbedingt ganz banal der Platz in den Armen eines Menschen, den man begehrte. Doch gleichzeitig hatten wir alte Bilder aus Kirche und Erzählungen im Kopf, Himmel — ein Jenseits, ein Ort der Seelen der Verstorbenen, die Nähe zu Gott. So schwankten wir zwischen der Sehnsucht und der Ahnung, dass es mehr geben musste. Mehr Tiefe, mehr Licht, mehr Beziehung, mehr Erfüllung.
Um dies zu erreichen wollten einige von uns das Bewusstsein erweitern, neue Ebenen erreichen und spektakuläre Erfahrungen machen. Vielleicht ist es auch das, was Robert Plant und seine Musiker andeuteten: die Sehnsucht nach einer Verbindung zwischen Erde und etwas, das größer ist. So vermuteten wir jedenfalls, da der Text des Songs so rätselhaft war. Und der Gedanke im Lied eine Leiter in den Himmel kaufen zu wollen ließ Vieles vermuten.
Jakob
Und da ist eine bekannte Geschichte, die von Jakob in der Bibel, die von einer Himmelsleiter erzählt. Sie könnte auf die Frage nach dem Weg zum Himmel eine Antwort geben (1. Mose 28,10-22). Jakob hat seinen Bruder betrogen, fühlt sich gejagt und ist voller Angst. Auf der Flucht schläft mit einem Stein neben seinem Kopf, um sich Notfalls damit zu verteidigen. Er träumt von einer Leiter, die Himmel und Erde verbindet; Engel steigen auf und nieder. Als er erwacht, stellt er den Stein als Zeichen auf und nennt den Ort heilig. Weil ihm mitten in seiner Not eine Verbindung sichtbar geworden ist. Der Himmel hat sich ihm geöffnet und Gott hat sich ihm zugewendet — mitten in seiner Angst, Verzweiflung, seiner Dunkelheit. Gott und Mensch sind verbunden.
Selbst heute
Das ist der Punkt: Zugang zum Himmel ist keine Ware. Er ist nicht etwas, das man kaufen, buchen oder exklusiv für sich reservieren kann. Etwas, was man erwerben kann um es dann zu verwenden, wie man es wünscht. Der Himmel steht offen — für jeden, jederzeit und überall. Selbst wenn alles dunkel ist, kann von dort ein Licht in unsere Welt hereinfallen. Manchmal kommt es leise als Wärme im Herzen, manchmal als klare Erkenntnis, manchmal durch einen Menschen, der da ist. Und uns sozusagen zum Engel wird. Das Licht zeigt sich in vielen Formen.
Die Engel in der Geschichte sind für mich Bilder dieser Nähe — Boten, die andeuten, dass etwas Größeres in unsere Welt hineinreicht. Vom lateinischen Wort für Bote, Angelus, kommt unser Wort Engel. Vor dreitausend Jahren hat man das so erzählt, heute deuten wir es anders. Die Technik, unsere Theorien, unsere Sprache haben sich verändert, aber die Erfahrung bleibt: Es gibt Momente, in denen wir spüren: Himmel und Erde sind verbunden. Gott ist da. Auch bei uns.
Genau hinsehen
Wir haben verlernt, hinzusehen und es zu verstehen. Wir messen, rechnen und ordnen — und übersehen, dass das Offene schon da ist. Stairway to Heaven hat uns daran erinnert: die Leiter zum Himmel ist da. Sie steht da. Sie ist nicht zu kaufen. Man kann sie nicht besitzen, aber man kann sie sehen, betreten, hinaufsteigen — wenn man offen ist.
Für mich heißt das: nicht erst handeln, wenn alles perfekt ist. Nicht erst Vertrauen einüben, wenn Beweise vorliegen. Lieben, ohne dass es sich rechnet. Der Himmel ist offen, mitten im Alltag, in der Müdigkeit, in der Not. Sein Licht fällt herein. Für dich. Für mich. Für uns.
Auf den Punkt
Und genau das ist der Kern meiner Erinnerung: Die Sehnsucht, die wir als Jugendliche in Led Zeppelins Musik gespürt haben, war keine naive Flucht. Sie ist nicht auf ein Lebensalter begrenzt. Sie ist ein Bestandteil von uns.
Vielleicht spüren wir durch sie, dass mehr möglich ist — dass Nähe, Licht und Liebe jederzeit hereinkommen können. Alles ist da. Licht und Gegenwart Gottes in unserem Lebensdunkel. Wir müssen nur suchen. Wir müssen nur hinsehen und unser Herz öffnen.
Der Bibeltext 1. Mose 28, 10-22
10 Jakob zog von Beerscheba nach Haran.
11 Unterwegs kam er an einen Ort, an dem er übernachtete. Denn die Sonne war schon untergegangen. Er nahm einen von den Steinen dort und legte ihn neben seinen Kopf. Dann schlief er ein.
12 Im Traum sah er eine Leiter, die von der Erde bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes hinauf und herunter.
13 Plötzlich stand der Herr vor ihm und sagte: »Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben.
14 Sie werden so zahlreich sein wie der Staub auf der Erde. Du wirst dich nach Westen und Osten, nach Norden und Süden ausbreiten. Durch dich und deine Nachkommen sollen alle Völker der Erde gesegnet sein.
15 Siehe, ich bin bei dir und behüte dich überall, wohin du auch gehst. Ich bringe dich zurück in dieses Land. Ich werde dich nicht verlassen, bis ich vollbringe, was ich dir verheißen habe.«
16 Als Jakob aus dem Schlaf erwachte, sagte er: »Der Herr ist an diesem Ort anwesend, und ich wusste es nicht.«
17 Da fürchtete er sich und dachte: »Vor diesem Ort muss man Ehrfurcht haben! Hier ist gewiss ein Haus Gottes und ein Tor zum Himmel.«
18 Am Morgen stand Jakob früh auf und nahm den Stein, den er neben seinen Kopf gelegt hatte. Er stellte ihn als Kultstein auf und rieb seine Spitze mit Öl ein.
19 Jakob nannte den Ort Bet-El, das heißt: Haus Gottes. Zuvor hieß der Ort Lus.
20 Dann gab Jakob ein feierliches Versprechen: »Gott stehe mir bei und behüte mich auf meiner Reise. Er gebe mir Brot zum Essen und Kleidung zum Anziehen.
21 Wenn er das tut und ich wohlbehalten zum Haus meines Vaters zurückkehre, dann soll der Herr mein Gott sein.
22 Dann soll ein Gotteshaus an dem Ort entstehen, wo ich den Kultstein aufgestellt habe. Ich werde dir den zehnten Teil von allem geben, was du mir schenkst.«

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